Orales Mikrobiom
Neuer Speicheltest zur Beurteilung der Mundflora
Mit rund 10¹¹ bis 10¹² Mikroorganismen beherbergt die Mundhöhle das zweitgrößte mikrobielle Ökosystem des menschlichen Körpers. In physiologischer Balance schützt diese mikrobielle Gemeinschaft vor der Ansiedlung krankheitserregender Keime, unterstützt die Integrität der Mundschleimhaut und moduliert Immunreaktionen.
Gerät dieses fein abgestimmte System aus dem Gleichgewicht, können schützende Mikroorganismen zurückgedrängt werden, während sich potenziell krankheitsfördernde Bakterien vermehren. Eine solche orale Dysbiose kann die Entstehung von Karies, Gingivitis, Parodontitis und Mundgeruch begünstigen.
Die Auswirkungen können jedoch weit über die Mundhöhle hinausreichen. So können potenziell pathogene Mikroorganismen über den Speichel und den Blutkreislauf in andere Organsysteme gelangen und dort entzündliche Prozesse begünstigen. Entsprechende Veränderungen werden mit einer Vielzahl chronischer Erkrankungen in Verbindung gebracht, darunter chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sowie kardiometabolische, autoimmune und neurodegenerative Erkrankungen.
Das orale Mikrobiom wird messbar
Ab sofort hat GANZIMMUN sein diagnostisches Angebot um die neue Analyse „Orales Mikrobiom“ erweitert, die eine differenzierte Beurteilung der oralen Mikroökologie ermöglicht. Als Untersuchungsmaterial dient eine einfach zu gewinnende Speichelprobe, die mikrobielle Signaturen aus verschiedenen Bereichen der Mundhöhle bündelt.
Mithilfe der hochauflösenden Next-Generation-Sequenzierung (NGS) werden die mikrobielle Vielfalt und die Dominanzverhältnisse erfasst sowie gesundheitsassoziierte und potenziell krankheitsfördernde Bakterienprofile charakterisiert. Dadurch lassen sich mikroökologische Verschiebungen erkennen und krankheitsassoziierte Keimspektren differenziert beurteilen.
Einsatzbereiche und klinischer Nutzen
Die Analyse des oralen Mikrobioms kann insbesondere sinnvoll sein:
- bei wiederkehrenden Zahnfleischentzündungen, erhöhter Kariesaktivität oder anhaltendem Mundgeruch,
- bei intestinaler Dysbiose oder chronisch-rezidivierenden gastrointestinalen Beschwerden, wenn ein möglicher Einfluss der oralen Mikrobiota ergänzend beurteilt werden soll,
- bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen zur ergänzenden Beurteilung möglicher mikrobieller Zusammenhänge,
- zur präventivmedizinischen Beurteilung der oralen Mikroökologie und zur Planung individualisierter Präventions- und Therapiemaßnahmen.
Die Befunde können eine gezielte Präventions- und Therapieplanung unterstützen. Abhängig von der klinischen Situation kommen insbesondere zahnärztliche Maßnahmen, eine Optimierung der Mundhygiene, Anpassungen der Ernährung und des Lebensstils sowie mikrobiommodulierende Interventionen in Betracht.
Weiterführende Informationen
Vertiefende Einblicke in die gesundheitliche Bedeutung und die diagnostischen Möglichkeiten des oralen Mikrobioms bieten die Laborinformation „Orales Mikrobiom“ (LIN0086)sowie dieFachinformation „Orales Mikrobiom“ (FIN0182).
Weiterführende Informationen erhalten Sie zudem in der Online-Fortbildung „Orales Mikrobiom“ am 4. November 2026 mit Dr. Simone Kumhofer.
