Depression ganzheitlich betrachten
Komplementärmedizinische Optionen in Diagnostik, Prävention und Therapie
Sie zählt zu den häufigsten und zugleich meist unterschätzten psychischen Erkrankungen weltweit – mit tiefgreifenden Auswirkungen auf Lebensqualität, Gesundheit und soziale Teilhabe. Betroffene kämpfen oft mit anhaltender Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, innerer Leere und Erschöpfung. Dabei kann die Erkrankung jeden Menschen treffen – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Lebensumständen.
Doch was sind die biologischen und psychosozialen Ursachen der Depression? Wie kann eine fundierte Diagnostik aussehen – auch unter Einbezug körperlicher Einflussfaktoren? Und welche ganzheitlichen Wege eröffnen sich in der Therapie? Dieser Beitrag liefert einen kompakten Überblick.
Depression in Zahlen
- Über 5,3 Millionen Menschen in Deutschland leiden jährlich unter einer Depression.
- Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.
- Einer von fünf Menschen in Deutschland erkrankt in seinem Leben mindestens einmal an einer Depression.
- In rund 15–30 % der Fälle kommt es zu einem chronischen Verlauf.
Was ist eine Depression und wie äußert sie sich?
Die Depression ist eine ernsthafte psychische Erkrankung mit vielfältigen Ausprägungen. Die Diagnose wird in der Regel durch ein ausführliches ärztliches oder psychotherapeutisches Gespräch gestellt – ergänzt durch standardisierte Fragebögen wie den PHQ‑9, mit denen sich Schweregrad und Symptomverlauf besser einordnen lassen.
Zu den charakteristischen Hauptsymptomen zählen:
- eine anhaltend gedrückte, für die Betroffenen ungewöhnlich intensive Stimmung, die über Tage hinweg besteht und durch äußere Umstände kaum beeinflusst wird
- ein deutlicher Verlust an Interesse oder Freude an früher als angenehm empfundenen Aktivitäten
- ein verminderter Antrieb, schnelle Ermüdbarkeit oder das Gefühl ständiger Erschöpfung
Darüber hinaus können sogenannte Zusatzsymptome auftreten:
- geringes Selbstwertgefühl oder der Verlust von Selbstvertrauen
- unbegründete Schuldgefühle oder starke Selbstvorwürfe
- wiederkehrende Gedanken an den Tod oder an Suizid
- Konzentrationsstörungen, Entscheidungsunsicherheit oder Gedankenkreisen
- innere Unruhe oder im Gegenteil eine deutlich verlangsamte Bewegung und Sprache
- Ein- oder Durchschlafstörungen sowie frühmorgendliches Erwachen
- Appetitmangel oder – seltener – gesteigerter Appetit, teils mit deutlicher Gewichtsveränderung
Bestehen mindestens zwei der Hauptsymptome und eins der genannten Zusatzsymptome über einen Zeitraum von zwei Wochen, spricht man von einer depressiven Episode. Die Anzahl und Ausprägung der Symptome bestimmt den Schweregrad der Erkrankung – von leichter über mittelgradige bis hin zu schweren depressiven Episoden.
Zusätzlich treten Depressionen häufig im Zusammenhang mit weiteren körperlichen und psychischen Erkrankungen auf. Zu den häufigsten Begleiterkrankungen zählen:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Diabetes mellitus Typ 2
- Magen-Darm-Erkrankungen
- chronische Schmerzen
- Angststörungen
- posttraumatische Belastungsstörungen
- Essstörungen
Wichtig dabei ist: Die Depression ist nicht bloß eine Folge dieser Erkrankungen – vielmehr bestehen meist bilaterale Wechselwirkungen. Das bedeutet, dass Depressionen sowohl durch diese Erkrankungen begünstigt werden können als auch umgekehrt in der Lage sind, deren Verlauf und Schwere zu beeinflussen.
Wie entsteht eine Depression?
In den meisten Fällen lässt sich kein einzelner ursächlicher Faktor identifizieren, der für die Entstehung der Erkrankung verantwortlich ist. Vielmehr liegt depressiven Störungen meist ein komplexes Zusammenspiel biologischer und psychosozialer Faktoren sowie individueller Lebensstilbedingungen zugrunde.
Biologische Faktoren
- genetische Veranlagung (familiäre Häufung)
- chronische Erkrankungen, Übergewicht, Stoffwechselstörungen
- chronisch erhöhte Cortisol-Spiegel
- Veränderungen im Neurotransmitter-Haushalt
- entzündliche Prozesse und oxidativer Stress
- Nährstoffmängel (z. B. Vitamin D, B-Vitamine, Omega-3-Fettsäuren)
- Dysbalancen der Darmflora (Mikrobiom-Darm-Hirn-Achse)
Psychosoziale Faktoren
- Verluste, Traumata, chronischer Stress
- soziale Isolation, Überforderung, ungelöste Lebenskrisen
- Kritische Lebensphasen (z. B. Wochenbett, Wechseljahre)
Lebensstilbedingungen
- Bewegungsmangel, unausgewogene Ernährung, Schlafstörungen
- Alkohol- und Nikotinkonsum
- Mangel an Tageslicht (insbesondere bei saisonaler Depression)
Welche Rolle spielen Laboranalysen?
Depressive Symptome können Ausdruck einer zugrunde liegenden körperlichen Erkrankung sein. Besonders Schilddrüsenfunktionsstörungen (v. a. Hypothyreose) sind differenzialdiagnostisch zwingend auszuschließen, da sie klinisch mit depressionsähnlichen Beschwerden einhergehen können.
Darüber hinaus lassen sich durch gezielte Laboranalysen auch begünstigende körperliche Einflussfaktoren identifizieren – etwa Mikronährstoffmängel, inflammatorische Prozesse oder hormonelle Dysbalancen. Werden solche verstärkenden Begleitfaktoren erkannt, können sie therapeutisch adressiert und in eine individualisierte Gesamtstrategie integriert werden – ein relevanter Baustein einer nachhaltig wirksamen Depressionsbehandlung.
Komplementärmedizinisch relevante Laborparameter
| Diagnostischer Bereich | Relevante Marker |
| Stressregulation | Cortisol-Tagesprofil, DHEA |
| Entzündung & oxidativer Stress | hs-CRP, Lipidperoxide, 8-OHdG |
| Mikrobiom & Darmgesundheit | Mikrobiom-Analyse, Zonulin, Calprotectin |
| Schilddrüsenfunktion | TSH, fT3, fT4, TPO-AK |
| Sexualhormone & Melatonin | Estradiol, Progesteron, Testosteron, Melatonin-Sulfat |
| Nährstoffe und bioaktive Substanzen | Vitamin D, B-Vitamine, Omega-3-Index, Zink, Magnesium, Ferritin, Coenzym Q10, Acetyl-Carnitin |
Wie wird eine Depression behandelt?
Depressionen sind gut behandelbar – entscheidend ist ein frühzeitiges und individualisiertes therapeutisches Vorgehen. Zu den zentralen Behandlungssäulen zählen psychotherapeutische Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie sowie – je nach Schweregrad – eine medikamentöse Therapie mit Antidepressiva. Ergänzend liefert die komplementärmedizinische Diagnostik wertvolle Hinweise auf körperliche Einflussfaktoren, die sich durch gezielte Lebensstilmaßnahmen – etwa eine Anpassung der Ernährung oder eine Mikronährstoffsubstitution – wirksam beeinflussen lassen.
Ergänzende Maßnahmen zur Prävention und Therapieunterstützung:
- regelmäßige Bewegung: mind. 30 Minuten körperliche Aktivität täglich, möglichst im Freien
- Tageslicht-Exposition: unterstützt den zirkadianen Rhythmus und die Serotoninsynthese
- antiinflammatorische Ernährung: mediterran orientiert, reich an Omega-3-Fettsäuren, sekundären Pflanzenstoffen und Ballaststoffen
- Stressbewältigung und Achtsamkeit: z. B. durch Meditation oder Atemtechniken
- gesunder Schlaf: mind. 7 Stunden pro Nacht, Förderung durch konsequente Schlafhygiene
- soziale Anbindung: aktiver Austausch und Reduktion psychosozialer Isolation
Wichtig: Sollten Sie oder ein Angehöriger unter Suizidgedanken leiden, ist es unerlässlich, unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen oder eine Notfallstelle zu kontaktieren. In Deutschland gibt es keine bundesweit einheitliche Notfallnummer speziell für psychische Krisen, jedoch stehen regionale Krisendienste und Anlaufstellen zur Verfügung. Bundesweit erreichbar sind die Telefonseelsorge unter den Nummern 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 sowie der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117. In akuten Notfällen ist der Notruf 112 immer die richtige Wahl.
Für Therapeuten stehen umfassende Informationen zum Download zur Verfügung. Diese können sich zudem in den Online-Fortbildungen mit Dr. Popat am 13. April 2026 zur„Diagnostik“ sowie am 27. April 2026 zu „Ergänzenden Therapieverfahren“ weiterbilden.
Downloads
- Depression Klassifikation und Pathogenese der Erkrankung
- Depression | Ratgeber für Betroffene Patienteninformation
- Übersicht komplementärmedizinisch relevanter Laborparameter bei Depression Praxisinformation
- Depression - Diagnostik- und Therapieleitfaden Praxisinformation
- Anamnesebogen Depression Anamnesebögen
- Depression Interpretationshilfe zur Auswertung des Anamnesebogens
- Gesundheitsfragebogen für Patienten (PHQ-9) Anamnesebögen
- Auswertungsskala des PHQ-9-Fragebogens Praxisinformation
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