Homocystein - zuverlässigster kardiovaskulärer Risikoparameter
Eine aktuelle Studie, die im British Medical Journal (Wouter de Ruijter et.) veröffentlicht wurde, zeigt dass der Homocystein-Spiegel im Blut das Risiko an kardiovaskulären Erkrankungen zu sterben bei älteren Menschen besser voraussagt als jeder andere konventionelle Parameter wie z.B. Cholesterin, Blutdruck und Rauchen etc.
Die holländische Studie untersuchte mehrere hundert ältere Personen ohne kardiovaskuläre Vorerkrankungen über einen Zeitraum von 5 Jahren auf die klassischen Risikofaktoren („Framingham risk score“) sowie auf potenziell neue kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Folsäure, Homocystein, C-reaktives Protein und Interleukin-6.
Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass die klassischen Risikoparameter die kardiovaskuläre Mortalität nicht vorhersagten wenn sie im Zuge des „Framingham risk score“ bestimmt wurden.
Homocystein stellte sich als der zuverlässigste Parameter zur Vorhersage von kardiovaskuläre Ereignissen heraus. Zwei Drittel der kardiovaskulären Todesfälle wurden alleine durch hohe Homocystein-Werte vorhergesagt.
Homocystein ist nicht nur eine sehr gute Risikoparameter, sondern auch selbst in der Lage kardiovaskuläre Erkrankungen zu triggern. Menschen, die z.B. Rauchen, sich schlecht Ernähren oder Bewegungsmuffel sind, tendieren generell zu hohen Homocystein-Werten. Theoretisch könnte ein hoher Homocystein-Spiegel also einfach nur einen schlechten Lebensstil repräsentieren, welcher das kardiovaskuläre Risiko erhöht. Aber tatsächlich ist es so, dass Homocystein selbst atherogen wirkt.
Zahlreiche Supplementierungsstudien, in denen Probanden Vitamin B6, B12 und Folsäure erhielten, führten zwar zu einer Senkung des Homocysteinspiegels, aber nicht zu einem Rückgang von Schlaganfällen oder Herzinfarkten. Aus diesem Grund wurde bislang Homocystein als unabhängigen Risikoparameter für kardiovaskuläre Erkrankungen kritisch bewertet.
Wie die neue holländische Studie und auch die exakte Analyse der vorliegenden Daten zeigt, könnte diese Schlussfolgerung aus drei Gründen verfrüht sein:
Erstens, in den meisten Studien wurden die Personen mit einem erhöhten Homocystein-Spiegel nicht spezifisch untersucht (z.B. dass Personen mit einem erhöhten Homocystein-Spiegel auf die Supplementation von B-Vitaminen anders reagieren als solche mit niedrigeren Homocystein-Spiegeln).
Zweitens wurden nur geringfügige Reduktionen des Homocysteinspiegels (5-20%) nach Gabe von Vitamin B6, 12 und Folsäure berichtet. Um das ins rechte Licht zu rücken: wenn man eine Kombination von Vitamin B6, 12, Folsäure, Zink und TMG supplementiert, sowie den Lebensstil und die Ernährungsgewohnheiten schon in geringem Maße ändert, können Risikoreduktionen von bis zu 50% erreicht werden.
Drittens wurden in den meisten Studien Homocystein senkende Nährstoffe an Personen gegeben, die ohnehin schon bis zu fünf andere Medikamente einnahmen. Noch wissen wir nicht, ob Medikamente wie z.B. Statine mit dem potenziellen Benefit der Nährstoffe auf negative Art interagieren.
Unsere Empfehlung:
Jeder ab dem 45. Lebensjahr sollte seinen Homocystein-Wert kennen.
Ist der Homocystein-Spiegel erhöht, sollte eine Supplementierung mit Vitamain B6, Vitamin B12 und Folsäure erfolgen und gegebenenfalls auch mit TMG.


Am 18. November 2011 um 17:54 Uhr
Jetzt bin ich im Bezug auf Homocystein vollkommen verunsichert.Mache im Moment gerade wieder eine Synervit-Kur um Homocystein von 12 noch etwas abzusenken.Ich hatte im März 2009 einen Herzinfarkt,April 2009 By-Pass OP (! Bypass) nehme aber als Medikament (trotz ärztlichen Widerstand) nur StrodivalMS und komme damit sehr gut aus.Mir geht es herzmässig sehr gut, bin natürlich körperlich nicht sehr belastbar (war ich vor dem Infarkt auch nicht) aber muss ich denn mit 84 Jahren noch ein Springpferd sein ?
Im übrigen die Verunsichung wegen Homocystein auf Grund einer gestrigen Fernsehsendung bei Odysso (SWR)
Am 21. November 2011 um 16:50 Uhr
Ich habe mir die Sendung angeschaut. Was letztendlich wirklich wahr ist - ich kann es Ihnen nicht sagen.
Ich persönlich achte auf niedrige Homocysteinspiegel. Die Strukturhomologie von Homocystein mit Glutamat und die Biochemie des Homocysteinstoffwechsels überzeugen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Ralf Kirkamm